Was machst du eigentlich den ganzen Tag? (3/26)

Immer am fünften eines Monats nehmen Menschen mit Blogs an einer Aktion teil, die Frau Brüllen vor einer halben Ewigkeit ins Leben rief. Und ich auch. Obwohl ich nur noch einmal im Monat, am fünften nämlich, auch wirklich blogge. Oder weil.

Fräulein Hund weckte mich gewohnt zuverlässig gegen 5.30 Uhr. Wir haben uns das irgendwie angewöhnt, seitdem das Gastteenie bei uns eingezogen ist. Die muss nämlich um 7.00 Uhr das Haus verlassen, ergo muss jemand – ich – gegen 6.15 Uhr überprüfen, ob sie wach und orientiert ist. Damit ich den ausreichenden Grad an „wach und orientiert“ erreiche, brauche ich etwas Vorlauf. Das hat irgendwann der Hund spitz gekriegt, dachte sich: „Der braucht Vorlauf, ich brauche Auslauf, die Verbindung ist ideal!“ und weckt mich seitdem.

Nun ist es so, dass das Gastteenie diese Woche ausdrücklich darauf hinwies, dass meine morgendlichen Dienste nicht mehr benötigt werden. Ich begrüße das ganz außerordentlich, nur ist eben unser Hund da noch nicht so an Bord, wie ich es gern hätte. Kurzum: Ich saß ab 5.36 Uhr noch halbwegs abwesend auf der Bettkante, kraulte den Hund und versuchte halbwegs klar zu kommen.

Bis zur Aufstehzeit des Gastteenies war ich geduscht und Gassirundenfein, unterwegs war nichts Berichtenswertes. Außer vielleicht, dass dieser übermotivierte Hahn, der ungefähr auf der Hälfte der Hunderunde wohnt, schon mehrfach morgens nicht gekräht hat, als ich vorbei ging. Der war bisher immer verwirrend früh dran, nämlich noch bei winterlicher Dunkelheit. Entweder hat er mehr Glück mit seinem Schlafrhythmus als ich oder er wohnt jetzt woanders.

Frühstück, Gastteenie verabschieden und auf dem Sofa nochmal für gute 90 Minuten umkippen war im Prinzip eine fließende Bewegung. Der Radau unserer Hühner weckte mich dann irgendwann doch. Auch die wollen morgens Aufmerksamkeit. Die Herzdame war dabei schneller als ich. Ich checkte kurz die dienstlichen und privaten Mails und machte mich gegen 9.00 Uhr auf den Weg in die Nachbarstadt. Nichts wirklich Erwähnenswertes, nur eine kurze Erledigung. Pünktlich zum Beginn der Frühkonferenz saß ich wieder im Auto und wählte mich ein. Auch hier nichts Erwähnenswertes, zumindest nichts, was ich öffentlich wiedergeben würde.

Auf Verdacht fuhr ich während der Konferenz zum Fähranleger Missunde. Dort werden die Anleger für die neue Fähre umgebaut und ich wollte ein paar Geräusche für einen Beitrag über die neue Fähre aufnehmen. Die Arbeiten auf unserer Seite der Schlei waren aber schon abgeschlossen. Angesichts der aktuellen Dieselpreise beschloss ich, dass 40 km einfache Strecke für ein paar Geräusche, die ich vielleicht gebrauchen könnte, zu viel sind. Also ab nach Hause.

Dort erwartete mich Hausarbeit, ein bisschen was im Ehrenamt habe ich auch noch erledigt, ein paar dienstliche Mails verschickt und dann war auch schon Zeit fürs Mittagessen. Nix Großes, nur zwei Scheiben Brot zusammen mit der Herzdame. Vor der Siesta pumpte ich noch das Fahrrad für das Gastteenie auf, denn sie und die Herzdame wollten eine Fahrradtour machen. Kurzer Mittagsschlaf und ernsthafte Begeisterung: Nach deren Radtour haben die beiden auch noch die Garage aufgeräumt. Hammer!

Mich zog es aber dann in die Küche, denn das Abendessen brauchte einige Vorbereitung: Karottenstreifen und Zwiebelwürfel sollten eine Stunde in einer Soja-Ahornsirup-Ingwer-Sauce marinieren. Dass das Rezept auf Weightwatcher.de steht, ist reiner Zufall. Ich hatte nur nach einem Gericht mit Dattelsauce gesucht. Abgesehen von der Wartezeit beim Marinieren war das jetzt alles keine Hexerei und schmeckte allen ganz ausgezeichnet. Das Rezept ließ sich leicht veganisieren: Ahornsirup statt Honig und Creme Vega statt Crème légère, wie gesagt: Keine Hexerei.

Nach dem Essen habe ich überprüft, dass auch wirklich alle Hühner in den Ställen sind und mich dann zur Herzdame auf’s Sofa gesetzt. Wir sind dann jetzt fast durch mit „Kacken an der Havel“ auf Netflix. Ein bisschen wie „Mord mit Aussicht“ auf elf gedreht und mit weniger Toten. Dazu großartiges Timing und ein ordentlicher Schuss Selbstironie, große Empfehlung.

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