Ein unanständig langer Blogpost über den ersten Tag der re:publica XII

Spielregeln für das Netz – sicher publizieren in Blogs, Foren und Sozialen Netzwerken“ mit Udo Vetter

Udo hat letztlich den gleichen Vortrag wie vor zwei Jahren gehalten – nur eben mit einem Update auf heutige Verhältnisse.

Das erste Thema war dann auch folgerichtig Ariane Friedrich, die kürzlich bei Facebook einen Fan an den Pranger stellte, weil der ihr eine vermeintlich obszöne Mail geschickt hatte. Unabhängig vom Inhalt der Mail und dessen was auf dem angehängten Foto zu sehen sei, hätte Friedrich das laut Udo nicht machen dürfen. Denn auch jemand der solche Mails schreibt, hat Rechte. Unter anderem eben das Reht, nicht auf diese Art an die Öffentlichkeit gezerrt zu werden. Zumal es offenbar so ist, dass der von Ariane Friedrich veröffentlichte Wohnort in Deutschland gleich dreimal existiert und es auch mehrere Menschen mit diesem Namen gibt, die jetzt von Friedrich zu Unrecht beschuldigt worden sind. Udo stellte klar, dass einerseits das Opfer klagen könne und dass es andererseits bei einer Klage der anderen – unbeabsichtigt fälschlicherweise beschuldigten – Männer „noch schlimmer aussieht“. Das werde ggf. sehr teuer für Friedrich. Kurz erwähnt wurde auch der Shopblogger, der vor einigen Tagen etwas ganz ähnliches machte.

Davon ab haben wir Netzleute die Mission das Internet als zweiten Lebensraum gegen pauschale Verurteilungen zu verteidigen. Jenachdem wo man liest und wen man fragt, werden im Internet im Sekundentakt durch Mobbing in die Depression und durch Online-Betrug in die Insolvenz getrieben – Dinge, die im Netz insgesamt betrachtet eigentlich die Ausnahme sind und die vor allem auch im echten Leben vorkommen, erinnerte Udo.

Ein kurzer Ausflug führte uns zu Überwachungs- und Fahndungsmöglichkeiten der Polizei, die durchaus auch mal Facebook zur Ermittlung nutzt. So geschehen in Fall einer Schlägerei, nach der zwar nicht die eigentlichen Täter bekannt waren, sondern nur ein paar Mädchen, die abernamentlich bekannt waren. Auf der Wache wurden die zu ein paar Jungs befragt, die sich auf Partyfotos fanden und tatsächlich konnten so die eigentlichen Schläger ermittelt werden, erzählte Udo.

Ansonsten wies er noch mal auf den Bundestrojaner hin. Es gebe ihn, er sei echt und er funktioniere. Aus eigener Anschauung (er hat nämlich gerade einen entsprechenden Fall auf dem Tisch) konnte Udo bestätigen, dass der Bundestrojaner buchstäblich jeden Mausklick aufzeichnet.

Nächstes Thema: Eigene Blogs. Udo ließ sich auf die Aussage ein, dass ein echtes Impressum bei privaten Bloggern nicht notwendig ist. Bei denen ohne Werbung im Blog ohnehin nicht, weil es dabei nicht um einen gewerbsmäßigen Betrieb geht. Andererseits könne auch ein ansich impressumspflichtiges Blog aufein Impressum verzichten, weil die Verfolgung sehr aufwändig und daher kaum realistisch sei. Auch bei Twitter und Facebook  bräuchten wir nur dann ein Impressum, wenn wir für eine Firma schreiben.

Ungültig sind demnach auch die Textbausteine zur ausgeschlossenen Linkhaftung, weil man die nun mal nicht ausschließen könne. Der entsprechende Disclaimer ist offenbar völlig unnötig und im Zweifel genauso wirkungslos wie die Datenschutzerklärung oder die Bitte bei Rechtsverstößen nicht gleich abzumahnen, sondern erstmal Kontakt aufzunehmen.

Udo erklärte danach, dass die Betreiberhaftung endlich zu Gunsten der Betreiber von Blogs und Foren geändert wurde. Demnach muss man eben nicht mehr alle Kommentare ständig überwachen und haftet auch nicht sofort bei Rechtsverstößen die Dritte z. B. durch Kommentare in einem Blog begehen. Ich als Blogbetreiber muss also nicht alle Kommentare ständig auf Rechtswidrigkeit überprüfen. Auch wenn sich jemand in einem Kommentar in seinen Rechten verletzt sieht, darf er mich nicht mehr direkt abmahnen, sondern er muss sich erst bei mir melden und darum bitten, dass ich den Kommentar lösche.

Vieles war bei der Session natürlich schon bekannt, aber interessant war es trotzdem.

2 comments on Ein unanständig langer Blogpost über den ersten Tag der re:publica XII

  1. „Während der Session zeigte Raul, dass derzeit 17 Aufzüge kaputt sind und das davon 94% durch die BVG betrieben werden und die restlichen 6% durch die Deutsche Bahn.“

    Nein. Umgedreht ists richtig:
    93 % davon betreibt die S-Bahn und die anderen 7 % die BVG.

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