Ganz im Gegensatz zu sonst begann der Tag heute gar nicht so wahnsinnig früh: Ich hatte mich um 5.30 Uhr noch einmal umgedreht und war eigentlich pessimistisch, dass das klappen würde. Aber plötzlich war es 7.00 Uhr, Fräulein Hund schlief tief und fest. Ich drückte noch ein wenig auf dem Handy herum, bevor ich unter die Dusche ging. Da wurde dann auch der Hund munter, wollte aber nur im Wohnzimmer auf dem Sessel weiterschlafen. Nach der Morgenroutine im Bad konnte ich sogar frühstücken, bevor wir raus mussten. Ein ganz neues Erlebnis.
Draußen ist Winter. Unser Hund mag den Winter nicht, denn da wird man nass und manchmal tun die Pfoten weh von dem ganzen Salz. Über eine kritische Stelle habe ich sie getragen, ansonsten ging es ziemlich problemlos. Zuhause gab es Hundefrühstück und Saugfried drehte eine Runde durch die Bäder, bevor der Rest des Hauses aufwachte. Erst gestern ist hier wieder Ruhe eingekehrt, davor hatten wir zwei Wochen durchgehend Besuch. Das hatte auch was Schönes, gerade über die Feiertage und den Jahreswechsel, aber ich bin dann doch auch froh über die Zeit allein am Frühstückstisch, so ehrlich möchte ich sein.
Beim Frühstück habe ich eine Episode „Star Trek: Enterprise“ geguckt. Ich hoffe ja, dass ich die letzte Staffel noch schaffe, bevor die Serie bei Netflix verschwindet. Danach musste ich kurz ein Rezept erneuern und wie erwartet ist der Firnis der Zivilisation in der Warteschlange vor der Praxis am ersten Arbeitstag des Jahres eher dünn. Nur zwei Leute dürfen gleichzeitig an den Schalter der Praxis, deswegen waren wir draußen zu viert. Ein fünfter Mensch schob sich mit dem Satz „Nur schnell ein Rezept abholen“ an uns vorbei und ich schwöre, dass mein Gegenüber im fast ein Bein gestellt hätte.
Ich hätte ihm ein Alibi gegeben.
Auf dem Heimweg noch ein kurzer Stopp bei Edeka, weil ich eh gerade auf der Ecke bin. Obst, Frühstückssachen und neues Klopapier stehen auf meiner morgendlichen Liste. Den Rest würde ich später kaufen. Irgendwie haben wir das mit Einkaufen am Samstag nicht so gut hinbekommen, was auch am plötzlichen Wintereinbruch gelegen haben mag. Jedenfalls mussten wir uns Sonntagabend ein bisschen anstrengen, um ein ordentliches Abendessen hinzukriegen.
Zurück zuhause war Zeit für die Frühkonferenz, es ging viel um Venezuela und Berlin und wie das alles zu bewerten ist und was wir im Programm dazu machen. Ich habe nebenbei mein Angebot für diese Woche geschrieben und verschickt. Nach der Konferenz mehrere Recherche-Mails und -telefonate und mit dem ersten Rückruf kam gleich ein Interviewtermin für den Nachmittag zustande. Damit erledigte sich mein Plan, einkaufen zu fahren. Denn der Termin nur wenige hundert Meter vom Kieler Hauptbahnhof entfernt, da lohnt es sich weder zeitlich noch finanziell, das Auto zu nehmen; zumal mit einem Deutschlandticket in der virtuellen Tasche. Gleichzeitig war aber auch klar: Für die Fahrt zum Supermarkt würde ich incl. Auto freikratzen keine Zeit mehr haben.
Der Zug war hart verspätet, aber ich hatte genug Puffer. Kurz hinter Eckernförde bin ich in einen seligen Bahnpendler-Schlummer versunken, den ich schon kultiviert hatte, als ich noch von Husum nach Heide pendeln musste: Tief schlafen und bei jedem Halt einen kurzen orientierenden Blick nach draußen.
Der Termin verlief problemlos, endete aber pünktlich mit der Abfahrt des Zuges nach Hause. Ich wollte ohnehin in mein Büro im Kieler NDR-Funkhaus, da war noch Kleinkram zu erledigen. Das ging schnell genug, dass ich binnen 20 Minuten wieder vor der Tür stand, kurzer Schlenker in einen bahnhofsnahen Supermarkt und zumindest einen Teil der Zutaten für das Abendessen gekauft. Im Zug habe ich noch eine weitere Folge „Enterprise“ geguckt, die Reisezeit korrelliert hervorragend mit der Länge einer Episode.
Zuhause habe ich meine Einkäufe im Auto zwischengelagert und bin noch einmal kurz zu Edeka gegangen, um die restlichen Zutaten zu besorgen. Die Schnippel- und Kochzeit hat gut für eineinhalb weitere Episoden gereicht und beim Abendessen lege ich mich fest: Eintopf, bester Topf. Und natürlich ist es wieder so viel geworden, dass ich ein Drittel der eigens gekauften Zutaten gar nicht verwendet habe.
Dieser Text ist Teil einer Blogger*innenaktion, die Frau Brüllen vor geraumer Zeit ins Leben rief. Mehr Texte wie diesen gibt es immer am fünften eines Monats bei ihr.