Was machst du eigentlich den ganzen Tag (3/24)

Immer am fünften eines Monats schreiben bloggende Menschen detailliert ihren Tagesablauf auf, weil Frau Brüllen vor 11 Jahren die Idee dazu hatte. So war mein Tag heute:

Der Wecker klingelt um sieben Uhr, ich schleppe mich ins Bad und starte mit einer Dusche in den Tag. Die Hunderunde führt Frl. Hund und mich über unseren üblichen Weg bei Trockenheit: Über den Sportplatz, den kleinen Trampelpfad durch die Hecke, links, dann rechts um den anderen Sportplatz herum und dann bei der Streuobstwiese wieder links durch die Siedlung dort und entlang der Dorfstraße zurück nach Hause. Währenddessen dreht Saugfried seine Runde durch den Windfang und das Büro der Herzdame. Wir frühstücken, bei mir gibt es heute Stremellachs, danach Haferflocken und Birne in Hafermilch und dem Rest Soja-Skyr im Becher.

Ich bemühe mich, Sinn in meine eigenen Notizen zu bekommen: Die To Do-Liste sagt, der erste Termin des Tages beginnt um 11.00 Uhr, der Kalender sagt 10.00. Weil ich die Absprache telefonisch erledigt habe, überlasse ich nichts dem Zufall und fahre zu um zehn los.

Es geht nach Stolpe im Kreis Plön, dort treffe ich mich mit dem Artenschutzexperten des Landesjagdverbandes, der mir einen Konflikt zwischen Naturschutz und den erneuerbaren Energien zeigt: Dort gibt es einen Wildtunnel unter der A21, aber direkt am Ausgang des Dings gibt es seit einigen Monaten einen Solarpark. Das heißt, dass das Wild von dieser Seite der Autobahn den Eingang des Tunnels nicht mehr findet. Vor allem beim Rotwild verhindert das Wanderbewegungen und es kommt zu Inzest mit den entsprechenden Fehlbildungen. Das ist seit den 1990ern grundsätzlich bekannt, es gibt eigentlich auch eine Richtlinie, die das verhindern soll, sie wird aber offenbar nicht umgesetzt. Ich mag das ja, wie mein Job mir immer wieder neue Sichtweisen ermöglicht: Bisher hatte ich beim Anblick von Solarparks neben der Autobahn immer ein ganz gutes Gefühl, yay Energiewende! Aber Natur ist ja eigentlich auch gut und die Bilder von inzestdepressiven Hirschen sind wirklich nicht schön. Es ist kompliziert.

Nachtrag vom 14.3.24: Inzwischen habe ich auch den Bürgermeister der Gemeinde gesprochen, mein Beitrag dazu lief am 13. März im Deutschlandfunk.

Nach gut einer Dreiviertelstunde sind wir fertig, mein nächster Termin ist um 15.30 Uhr in Hamburg. Es wäre Blödsinn, jetzt noch einmal nach Hause zu fahren, weil ich auf dem Weg nach Hamburg exakt hier wieder vorbei käme. Also bewege ich mich eher gemächlich und stoppe zum Mittag in Bad Oldesloe. Im Ratskeller gibt es einen preiswerten Mittagstisch, bei einem Laden in der Fußgängerzone nehme ich einen Nachtischapfel mit und verspeise den mit Blick auf einen Seitenarm der Trave.

Zurück im Auto habe ich immer noch locker drei Stunden Zeit bis zum Termin. Ich höre die aktuelle Episode des Blatherings während ich gemächlich nach Hamburg fahre. Weil noch so viel Zeit ist, setze ich mich im Rasthof Buddikate in den McDonald’s. Wie scheiß teuer sind denn da bitte die Getränke, wenn man sie nicht zusammen mit diesem Fraß kauft um Himmels Willen? 4,19 € für eine große Cola Zero ist ausgesprochen frech. Vermutlich hätte es niemanden gestört, wenn ich mich einfach so ins Obergeschoss gesetzt hätte, aber ich hätte mich ohne was zu bestellen genau so blöd gefühlt, wie mit dieser abgestandenen 4,19 €-Plörre. Herrje. Ich nutze die Zeit und bearbeite ein paar Mails, die Terminabsprache mit jemand anderem ist knifflig, die haben jetzt schon drei mal verschoben, weil die „Terminlage (des Ansprechpartners) sehr dynamisch“ sei. Muss ich mir merken, das ist eine ganz hervorragende Ausrede. Jemand ruft an, der unter Vorbehalt eingetragene Termin in Flensburg steht, ich frage noch zwei andere Sachen an und gebe einer Kollegin ein Update zu einem bestellten Beitrag.

Mit einem Bürgermeister aus dem südlichen Landesteil muss ich auch noch sprechen, er selbst ist nicht erreichbar, seine Sekretärin auch nicht, die Dame an der Vermittlung stellt mich zu Frau Meiersen (Name geändert), aber ein Herr Müllermeierschmidt (Name auch geändert) meldet sich. Ich drücke meine Verwunderung über diese Überraschung aus und frage, ob denn Frau Meiersen in der Nähe ist. Worum es gehe, fragt er und ich antworte wahrheitsgemäß, dass ich eine Presseanfrage habe und ob er mir dabei helfen kann. Ich höre sein Augenrollen durch die Leitung, als er mich bittet, ihm doch überhaupt mal zu sagen, was ich will, damit er das dann einordnen könne. Ich spule also mein Anliegen ab und gebe ihm noch ungefähr fünf sehr konkrete Fragen und einen Terminvorschlag mit auf den Weg. Pause. Er sei da nicht so sehr im Thema, aber wenn ich schon eine Email geschickt hätte, käme sicher in den kommenden Tagen eine Antwort, die Sekretärin des Bürgermeisters arbeite sowas immer ab, die sei aber heute nicht da. „JA, ACH WAS“, habe ich nicht gesagt. Hätte er gleich gesagt, dass er eigentlich nichts mit Pressearbeit zu tun hat und nur zufällig ans Telefon gegangen ist, hätte ich morgen noch mal angerufen und wir hätten beide ein sinnloses Telefonat weniger führen müssen.

Aber ich habe heute ja Zeit.

Auch wenn die Aussicht aus dem Obergeschoss der McD-Filiale über den Parkplatz ganz nett und der Sessel bequem ist, mache ich mich auf den Weg. Der Zielort ist laut Navi weniger als 30 Minuten entfernt. Im Billstedt-Center mache ich ein paar Besorgungen und verbummele noch ein paar weitere Minuten im Abbiegerstau vor meinem eigentlichen Ziel. Wenn ich schon rumstehe, kann ich auch noch einen weiteren Interviewtermin klar machen. Es gibt Abstimmungsbedarf, die melden sich wieder, ob Zoom okay wäre. Für höchstens 40 Sekunden Material muss ich nicht wirklich durch die Gegend fahren, das geht auch mal per Zoom.

Bei der Nordbahn spreche ich schließlich mit dem Betriebsleiter über deren neue Akkuzüge und die Herausforderungen damit, bevor es nach wieder nach Hause geht. Unterbrechungsfrei diesmal. Zuhause verstaue ich mein Zeug, sortieren kann ich das morgen, dann ist nämlich Homeofficetag. Schmales Abendessen und wir fangen bei Netflix die Serie „Resident Alien“ (Vorsicht vor Spoilern!) an, die ich ewig in den Netflix-Empfehlungen ignoriert habe. Ich frage mich warum, die ist so herrlich bescheuert! Weil die Herzdame noch einen abendlichen Zoom-Termin hat, nehme ich mir kurz die Zeit, um meinen Tag zu dokumentieren. Und weil der Termin länger dauert, als dieser Text, sammle ich auch gleich noch ein paar Themen für die nächste Ausgabe des Podjournals.

Mehr Texte wie diesen gibt es bei Frau Brüllen. Grüße bitte.

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